Tank tauschen an einer BMW R NineT

Die R NineT ist ein wirklich tolles Motorrad. Und auch der schwarze Tank ist schön. Nur die Seitenbacken in kontrastreichem silber sind... so 80%. Geiler ist da der komplett silberne Tank. Ob mit oder ohne Naht, egal. Nur dummerweise viel zu teuer, wie so alles von BMW.

Im Urlaub hab ich dann im Forum ein Angebot für einen silbernen Tank gesehen für round about die Hälfte des Preises. Zudem hatte ich auf dem Rückweg aus Österreich die Gelegenheit, den Tank trotz der 400km zwischen hier und da abzuholen. Da kann man nicht lange zögern, da muss man handeln!

Ein Tipp vorab: Vier Hände sind nötig, spätestens, wenn man den Tank möglichst hoch hält, um die Benzinpumpeneinheit loszuschrauben und diese gleichzeitig vor'm Herunterfallen bewahren muss. Auch der Einbau ist wesentlich einfacher. Der Wechsel der Pumpeneinheit ist alleine unter Umständen nicht machbar. Alle anderen Arbeitsschritte sind relativ easy. Sinnvoll ist es, vor Arbeitsbeginn etwas Platz für die Ablage der Tanks zu schaffen, und zwar auf einem eher weichen Untergrund!

Und gleich noch ein Tipp: Es gibt Unterschiede zwischen den Tanks! Abgesehen davon, dass die einen aus Alu und die anderen aus Stahl sind. Kleine, aber nicht irrelevante Unterschiede gibt es nämlich auch zwischen E3 und E4 Baujahren, die dazu führen, dass E4 Besitzer zwar Tanks älteren Baujahrs nutzen können - aber nicht ohne Weiteres umgekehrt.

Wie am folgenden Foto zu sehen ist, haben die älteren Tanks zwei weitere Schrauben-Bleche (rot markiert). Wenn man diesen Tank auf einer E4 verwenden will, muss der vordere gewinkelte Teil des Blechs auf der rechten Seite des Tanks zwingend weggeschnitten werden (der linke rote Kreis auf dem Foto). Das geht mit einer Metallsäge recht problemlos, da Alu. Denn er drückt sonst auf ein Bauteil oberhalb und etwas hinter des linken Drosselklappenstutzens. Ich glaube, ein Entlüftungsventil des Tanks.

Was mir ehrlich gesagt erst heute beim Schreiben dieses Blogposts auffällt ist, dass der silberne E3 Tank vorne links auch noch ein Schraubblech hat (auf dem Foto der rechte untere rote Kreis). Ich weiß  nicht, was es hält und es ist unten in meiner Anleitung nicht berücksichtigt. Habt ihr einen E3 Tank abzubauen, denkt auch an dieses Teil!

Als letzter Unterschied ist der eine Entlüftungsschlauch des E3 Tanks länger, als der einer E4. Er führt nämlich wie der andere Schlauch nach unten bis zu Schwinge. Bei einer E4 führt er dagegen in den schwarzen Sammelbehälter und ist vorgeformt. Damit kann man als E4 Fahrer den Schlauch eines E3 Tanks einfach kürzen. Das der dann nicht vorgeformt ist, ist nicht wirklich tragisch. Der E3 Besitzer mit E4 Tank hätte aber zumindest einen zu kurzen und zudem verdrehten Schlauch, was zumindest suboptimal erscheint. Außerdem würden ihm zwei Halterungen fehlen, was die Verwendung eines E4 Tanks an älteren Baujahren eigentlich ausschließt.


An die Arbeit. Benötigtes Werkzeug:

  • T25 für den Schnorchel rechts 
  • T30 für die Pluspolbrücke und das Alu-Seitendreieck und die hintere Tankbefestigung
  • T45 für vordere Tankbefestigung und das Alu-Seitendreieck
  • Holzsstück, vielleicht noch mit alten Tüchern umwickelt
  • Bei Einbau eines E3 Tanks auf einer E4 Maschine: Metallsäge

Hinweis: Ihr bastelt auf eigene Gefahr. Ich übernehme keine Verantwortung für euer Tun oder für Richtigkeit/Vollständigkeit dieses Berichts!


Zunächst mal lässt man das Benzin aus dem alten Tank ab. Das Gewicht will man nicht hantieren. Außderdem würde alles auslaufen, da ja die Bezinpumpeneinheit im Tank sitzt und in den neuen gewechselt werden will. Ein Benzinkanister und ein einfacher Absaugschlauch sind hier die Mittel der Wahl. Sehr hilfreich an dieser Stelle auch ein Zentralständer, mit dem das Motorrad etwas höher kommt und sicher senkrecht steht.

  • Zuerst kommen die Sitze runter. Immer wieder nervig die Fixierschraube für den Soziussitz. Die muss irgendwann nochmal gegen eine Flügelschraube weichen. 
  • Sind die Sitze ab, können die Alu-Seitenteile abgeschraubt werden. 
  • Außerdem muss die Halterung der Batteriepole ab. 
  • Die Abdeckung des Luftansaugschnorchels rechts muss ebenfalls weichen. Sie ist vorne nur gesteckt. Vorsicht, das Alu ist ziemlich empfindlich gegen scharfe Kanten. 
  • Links befindet sich eine Kunststoffabdeckung über der Einspritzeinheit, die ebenfalls mit zwei Schrauben gehalten wird. Ab damit. E3 NineT's haben noch eine Halterung für den Diagnosestecker, die links am Tank unter dieser Kunststoffabdeckung angeschraubt ist. Den Diagnosestecker aushängen. Entfällt bei E4.
  • Die Entlüftungsschläuche laufen auf der linken Seite hinten vom Tank am Rahmendreieck nach unten und sind mit Kunststoff-Klipsen befestigt. Diese lösen. Und sich merken, wie welcher Schlauch verlaufen ist. Der mit der Windung geht in einen Entlüftungsbehälter (erst ab E4, glaube ich)
  • Unter dem Tankdeckel die vier seitlichen Schrauben lösen, um den Verschluss und die Dichtung abzunehmen. Unnötig zu sagen, dass man darauf achten sollte, dass keine Schraube im Tank verschwindet.
  • E3 Besitzer denken an die zusätzliche Befestigung... (rechter roter Kringel oben im Bild)
  • Als letztes die beiden Schrauben vorne lösen, die den Tank am Rahmen halten. Der Tank bleibt natürlich trotzdem sicher in Position und ist jetzt nach hinten hochklappbar.

Das schwarze Kunststoffteil mit den roten Kabeln muss auch ab, sowie die Alu-Seitenteile.
Hier laufen die Entlüftungsschläuche. Diese werden an drei Stellen ausgeklipst, auf dem Foto sind zwei zu sehen.
Na, BMW? Wenn das mal nicht eine weitere Stelle ist, an der der Rost blüht...
Die beiden Schrauben auf beiden Seiten halten den Tank vorne am Rahmen.
Die vordere Schraube hält mit weiteren zweien, die auf dem Foto noch versteckt sind, den roten Einsatz. Wenn man den auch wechseln will, dann löst man alle Schrauben. Vorzugsweise nicht mit einem Akkuschrauber wie ich hier, sondern liebevoll per Hand. Zumindest beim Reinschrauben.
Den Tank auf einer Holzlatte, am besten noch weich umwickelt, abstützen. Er hält nicht in Position "oben" und man muss ihn immer wieder absetzen.
Jetzt kommt der knifflige Teil der Arbeit. Die Benzinpumpeneinheit muss raus. Ohne Beschädigung. Dazu muss man die schwarzen Schrauben (5 Stück) des großen Metallrings lösen. Da die Pumpe links im Tank sitzt, macht man das von rechts. Hier eine helfende Hand zu haben, die den Tank hoch hält, ist wichtig! Vorsicht auch, dass die Schrauben beim Herausdrehen nicht nach unten in den Motor fallen!

Wenn die Pumpeneinheit lose ist, wiegt die ein bisschen was. Man muss sie dann oben halten und geichzeitig den blauen Stecker des Füllstandanzeigers, der im Tank sichtbar wird, nach oben abziehen. Vorsicht, zu dem Stecker führen zwei dünne blaue Käbelchen, die nicht beschädigt werden wollen und an der Pumpeneinheit befestigt sind. Daher kann man die Einheit nicht einfach nach unten ablegen. Sie wird mit einer Drehbewegung vorsichtig aus dem Tank entfernt, weil ein Filter seitlich absteht und auch nicht beschädigt werden will.

Hinweis: Ich bin nicht sicher, ob man die blauen Kabel an der Pumpeneinheit hätte lösen können. Ich denke nicht, da sie glaube ich an diesem Ende keinen Stecker haben, sondern aus der Pumpeneinheit einfach herausgeführt werden, meine ich mich zu erinnern. Aber das nochmals zu prüfen, kann Sinn machen, weil es vieles erleichtern würde.

Diese Schrauben der Pumpeneinheit sind zu lösen.
Dieser blaue Stecker (Geber der Reserve-Anzeige) sitzt mittels der linksseitig zu erkennenden zwei Führungen...

...auf diesem Stift im Tankinneren.
Ist die Pumpeneinheit aus dem Tank ausgebaut und auch der blaue Stecker draußen, kann die Scharnierschraube, die den Tank hinten hält, entfernt werden. Der Kollege hält dabei den Tank hoch, denn man will ihn lieber nicht auf die Pumpeneinheit ablegen.

Fertig! Der Tank kann jetzt abgenommen werden.

Die Pumpeneinheit aus dem Tank ausgebaut
Der Einbau des neuen Tanks erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Wie zu erwarten, ist die komplizierteste Stelle der Teil mit der Benzinpumpeneinheit.

  • Zuerst den blauen Geber wieder auf die Schiene stecken. Das passiert quasi nur nach Gefühl im Blindflug. Wichtig ist, dass der Geber wieder korrekt auf der Schiene einrastet (klickt), sonst hat sich's was mit Reserveanzeige. 
  • Dann will man die Pumpeneinheit wieder in den Tank einwinkeln, ohne das Gewebe des Filters zu zerstören. 
  • Die alte Dichtung kann wiederverwendet werden (hält bei mir nun ca. 800 km), eine neue zu haben ist aber  bestimmt kein Fehler. 
  • Der Helfer wird benötigt, um den Tank hoch zu halten, während man die Schrauben anzieht, ohne dass dabei die darunterliegende Dichtung verrutscht. Schrauben nicht in den Motor fallen lassen!  
Soweit der Bericht. Wenn alles wieder zusammengebaut ist und hoffentlich funktioniert - dann nicht vergessen ein Bier zu öffnen! Prost!

Sein Motorrad einmal so gesehen zu haben, intensiviert die Beziehung :-)


Problemchen

Zunächst mal will ich nicht verleugen, dass nach meinem Umbau zwar die NineT wieder problemlos lief und nun einen tollen silbernen Tank hat - aber dummerweise die Reserveanzeige dauerhaft blinkte.

Zunächst hatte ich gehofft, dass sich das Problem nach dem nächsten Volltanken von selbst erledigt. Tut es aber nicht. 800 km und mehrere Tankfüllungen später bin ich damit zu BMW gefahren. Erst hatte es geheißen, dass ein "Reset" die blinkende Anzeige wieder zur Normalität überführen könnte. 58 € kostete der Versuch - und brachte nichts. Bis auf den Hinweis, dass es leider nicht geklappt hat, die Reservewarnung immer noch blinkt und die Benzinpumpe ja auch Geräusche machen würde. Ich sag "die macht keine Geräusche" und ein Überprüfen der Einheit für 200 € fand auch nicht meine Zustimmung. Ich fuhr also wieder nach Hause und bemerkte dabei zunächst einmal das pfeifende Geräusch aus der Tankgegend. Na herzlichen Dank für gar nichts, BMW! Reserveanzeige blinkt immer noch und jetzt pfeift zudem auch noch die Pumpe!

Die gute Nachricht ist: Nachdem ich erneut das Benzin abgepumpt und den Tankdeckel ausgebaut hatte, um als erste Maßnahme durch die Tanköffnung hindurch mit einem langen Schraubenzieher den festen Sitz des blauen Gebers mit etwas Druck von oben zu prüfen - und der sich keinen Millimeter bewegte und fest an Position sitzt - erledigte sich die blinkende Reservewarnung von selbst. Weg war sie, von jetzt auf gleich, allerdings obwohl ja gar kein kein Benzin im Tank war. Benzin aufgefüllt, Tankwarnung bleibt verschwunden. Motorrad läuft. Soweit so gut, wenn auch merkwürdig.

Was ich just in diesem Moment noch nicht weiß ist, ob die Reservewarnung denn auch jemals wieder erscheinen wird, wenn der Tank leer ist. Der Tank ist momentan gefüllt und das Motorrad eingemottet. Im Frühjahr 2019 werde ich mehr wissen. Auch ob die Pumpe weiterhin pfeift, wird sich erst dann zeigen. Wenn ich Glück habe, ist es nur soetwas.

In diesem Sinne toi toi und euch noch etwas besseres Gelingen.

26 Januar 2019, Nachtrag

Hust Wie ich erkennen musste, wird der Füllstandsgeber einwandfrei arbeiten, wenn man ihn richtig herum positioniert. Richtig herum ist so:

Durch das Tank-Loch gesehen - weiße Seite nach oben

Weiter sei angemerkt, dass eine Faszienrolle aus Schaumstoff eine super Ablage für den Tank ist. Besser, als das oben erwähnte Holz. Die Rolle kann man auf dem Zündschloss ablegen und gleichzeitig den Lenker damit in Position halten, indem man die Enden unterklemmt. Man erreicht so die maximal mögliche Klapphöhe des Tanks, ohne dass die Benzinleitungen unten an der Pumpe entfernt werden müssen. Außerdem ist die Pumpe so wesentlich besser zugänglich und man schafft den Umbau auch alleine ohne helfende Hand.


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