Keller entlüften mittels Luftentfeuchter

Hamburg. Wieder mal Regen. Jedenfalls vor zwei Wochen, als ich dieses Projekt in Angriff nahm...

Dummerweise ist unser Keller nach 40 Jahren Hausgeschichte nicht mehr wirklich trocken. Die Wände feuchten von außen durch, die Schutzschicht auf dem Mauerwerk ist weg und innen riecht es nach Keller und hier und da gibt's Salzausblühungen. Sinnvoll wäre eine abdichtende Maßnahme am Mauerwerk. Und unglaublich teuer bis unmöglich, da z.B. die Bangkirai-Terrasse weg müsste. Also wird eine Zwischenlösung ausprobiert - ein Luftentfeuchter soll sein Werk tun!

Im Baumarkt wollte ich eigentlich das etwas kleinere Gerät kaufen, aber das letztlich Gewählte hatte als einziges einen schraubbaren Wasserschlauch-Anschluss. Das hielt ich für eine gute Idee, die mir zusammen mit der höheren Leistung (m², die man trocknen können soll) 100 € Aufschlag wert waren. Vorab: das lohnt vermutlich nicht...

Luftentfeuchter Madeira Ostria 50 50l/24h

Wirklich schwach, Hornbach: Wie kann man denn nicht ablösbare Aufkleber mit Hinweis zur erstmaligen Nutzung auf der Gerätefront anbringen lassen??

Das Corpus Delicti - schön wäre, wenn sich nach einigen Wochen z.B. die Aussalzung verringern würde

Das erste, was ich gemacht habe, ist den Stromverbrauch des Luftentfeuchters im ausgeschalteten Zustand zu messen. Wir haben Ende 2017. Das Gerät verbraucht fast einen Watt im Aus-Zustand. Minuspunkt. Das es etwas verbraucht, ist prinzipiell ok, denn es hat eine eingebaute Schaltuhr, so dass man es nach X Stunden automatisch angehen lassen kann. Der Timer braucht natürlich Strom. Aber einen Watt?

Der Madeira Luftentfeuchter im ausgeschalteten Zustand

Dann habe ich einen ersten Test im Badezimmer (ca. 12m²) vorgenommen. Im Tausch gegen eine dauerhafte Leistungsaufnahme von etwa 540W  hat der Madeira Ostria 50L-Luftentfeuchter nach einer Stunde etwas über 400ml Wasser aus der Luft geholt. Und die Zimmertemperatur um fast zwei Grad erhöht. Und: Die Luftfeuchtigkeit um 2% gesenkt.

Vorher

Währenddessen

Nachher

Das Ergebnis

Ich bin mittel beeindruckt. Zwei Prozent nach einer Stunde? Wenn man den Luftentfeuchter bei 540 W 24 Stunden lang durchlaufen lassen würde, würde das ca. 3,63 € Stromkosten pro Tag bedeuten. Mal 365 sind im Jahr satte 1.325 €!

Aber gut, das ganze mag zu ungenau sein. Also ab in den Keller, da herrscht eh mehr Luftfeuchte und um den Keller geht es ja auch. Hier muss sich Besserung einstellen, wenn das Gerät seinen Preis (der übrigens bei 268 € lag) wert sein soll.

19,8 kg Gewicht sind bei der Größe des Geräts von ca. 62 cm (H) auf einer Kellertreppe nur bedingt portabel zu nennen. Ansonsten rollt es sich aber gut. Der Wassertank ist recht gut entnehmbar und wieder einzuschieben, hakt nur manchmal etwas. Da der Tank keine explizite Lippe besitzt, kommt mitunter ein ziemlich großer Schwall Wasser aus ihm geschossen, da er oben komplett offen und u-förmig verwinkelt ist und man beim Auskippen über eine Ecke genaugenommen mindestens über zwei Ecken gleichzeitig ausschüttet. Aber nach der ersten großen Sauerei lernt man recht schnell so auszuschütten, dass nicht die Hälfte des Wassers auf dem Boden landet.

Die Luft-Trocknungsleistung im Keller:

Ausgangslage

Das Ergebnis nach einer Stunde - fast einen Liter Wasser, das sieht schon anders aus!

Und auch hier: Gute Heizleistung des Luftentfeuchters, dafür aber auch 9% weniger Luftfeuchte im Keller (an der gemessenen Stelle natürlich - wie es dann ein paar Räume weiter aussieht, muss ich nochmal prüfen)

Nach zweieinhalb Stunden des Luftentfeuchtens ging es nicht mehr linear weiter runter, Wasser fand sich aber noch einiges weiteres im Auffangbehälter

Insgesamt nutzen wir den Luft-Trockner nun schon zwei Wochen. Wie erwähnt hat er einen - genauer gesagt zwei - Timer. Über diese kann man das Gerät so einstellen, dass es nach einer bestimmten Zeit angeht und/oder nach einer bestimmten Zeit aus. Theoretisch müsste es also möglich sein, alle 24 Stunden auf "an" zu stellen und zum Beispiel einer Stunde wieder auf "aus". Dummerweise werden die Timer gelöscht, nachdem sie einmal genutzt wurden. Hey, da hat mal einer wirklich mitgedacht! Bedeutet, dass man für eine tägliche einstündige Luftentfeuchtung einmal am Tag in den Keller rennen darf, um mittels x-fachem Tastendruck das Gerät neu zu programmieren. Was ähnlich viel Freude erzeugt, wie diese alten Radiowecker auf eine bestimmte Uhrzeit zu stellen. Großartig.

Da über 1.300 € Jahres-Stromkosten für einen 24 Std. Dauerlauf aber nicht in Frage kommen und wegen der nicht linearen Entfeuchtungsleistung auch gar nicht nötig sind, sollte man also noch eine zuverlässige programmierbare Steckdose parat haben. Denn zumindest merkt sich der Madeira Luftentfeuchter, dass er im Programm "Dauerentfeuchten" war, wenn man ihm den Strom weg nimmt und er springt auch wieder an, wenn die Steckdose schaltet.

Dank der Fritz!DECT 200, die ich für diesen Zweck nutze, kann man das ganze sogar auf dem Smartphone überwachen. Und vorallem auch die Stromkosten im Auge behalten und sich diese in einer wöchentlichen Zusammenfassung zusenden lassen.

Bislang kann ich berichten, dass die Hygrometer im Keller relativ konstant um 67% Luftfeuchtigkeit anzeigen, wenn der Luftentfeuchter jeden Tag eine Stunde läuft und dabei eine Ladung Wasser aus dem Keller holt. Ob es sich lohnt, den Entfeuchter eine zweite Stunde täglich laufen zu lassen, muss ich nochmal ausprobieren.

Einkaufstipps:

  • Da alle Entfeuchter sehr viel Strom verbrauchen, sollten sie eigentlich eine gute Steuerung mitbringen, so dass sie Bedarfsgerecht laufen können. Andernfalls holt man sich ein Gerät ins Haus, nachdem man bald täglich gucken muss.
  • Der schraubbare Schlauchanschluss für Gartenschläuche scheint mir nur bedingt brauchbar. Einen großen Aufpreis ist er nicht wert. 
  • Ich vermute nicht, dass ein kleines Gerät wesentlich weniger Wasser innerhalb z.B. einer Stunde Laufzeit filtert. Abhängig davon, wo im 125 m² Keller man den Entlüfter aufstellt, dürfte er vermutlich sowieso nur lokale Wirkung zeigen. Damit reicht auch ein schwächeres Gerät, dass für weniger Fäche angegeben ist. Das ist aber nur gefühlt so, belegen kann ich das nicht. Aber: Der Lüfter steht derzeit entfernt von der feuchten Ecke, die oben auf dem Bild zu sehen ist. Sollte sich diese trotzdem bessern, schreibe ich es hier später noch dazu...
  • Für Wohnräume scheinen mir die Geräte eher nichts. Sie sind laut und machen ein eher nerviges Geräusch wie ein alter Kühlschrank. Höchstens der temporäre Einsatz z.B. im Bad nach Gebrauch könnte sinnvoll sein. Aber auch dazu will man dann eher ein entsprechend automatisiert betriebenes Gerät (z.B. automatisch entfeuchten ab/bis X % Luftfeuchte), denn wer nach dem Duschen zur Arbeit fährt kann u.U. nicht auf "aus" drücken ;-) 

Update 26.11.2017

Wir waren im Urlaub. Innerhalb der zwei Wochen, bei einer Stunde Laufzeit täglich, hat der Luftentfeuchter mehr Wasser aus der Keller luft geholt, als in den Tank passt. Also mehr als fünf Liter. Das sieht dann so aus:


Alles Wasser aus der Raumluft! Gut zu sehen auch, dass das Ausschütten nicht ganz einfach ist, weil es zum Schluss hin auch an anderen als der erwarteten Öffnung herausläuft. Also immer schön sachte schütten.

Mit dieser Luftfeuchtigkeit im Keller lässt sich schon eher leben


Erfreulich: Die Luftfeuchte wurde in zwei Räumen des Kellers (ca. 125m²) mit 61% bzw. 62% angegeben. Was deutlich besser als die zuvor gemessenen 70~80% sind. Der Lufttrockner scheint sich also bezahlt zu machen...

Für die Wohnräume haben wir zwischenzeitlich noch ein zweites Gerät von ALDI angeschafft, einen QUIGG LE 2017.17. Dieser war als "Raus damit Schnäppchen" für 129 € statt ehedem 169 € deutlich günstiger als der oben beschriebene Madeira Ostria. Den hohen Aufpreis scheint mir der Ostria nicht unbedingt wert zu sein, obwohl er einen etwas wertigeren Eindruck macht als der sehr nach Plastik aussehende QUIGG Luftentfeuchter. Zudem ist bei dem Madeira die Wasserschale nach vorne entnehmbar. Ein Plus gegenüber dem ALDI-Gerät, das man zur Wasserentnahme im Regelfall immer erst umdrehen muss.

Der QUIGG verbraucht im Standby etwas weniger. Nur ca. 0,14 W wenn das Gerät "aus" ist und ca. 2,8 W, wenn es im Standby die Luftfeuchtigkeit misst und den eingestellten Grenzwert überwacht. Das scheint angemessener, zumal sich das Gerät bei Überschreiten einer Luftfeuchtigkeitsgrenze selbstätig einschaltet und solange entfeuchtet, bis der Schwellwert wieder erreicht wurde. Auf den ersten Blick ein pfiffiger Vorteil bedeutet das aber auch, dass man der QUIGG-Elektronik die Hoheit über 305 W für bis zu 24 Stunden täglich überlässt - alias ca. 750 € im Jahr. Vielleicht will man da dann doch lieber noch eine Zeitschaltung dazwischenstecken...


Update 03.12.2017

Eine Erkenntnis kann man noch haben: Die Geräte taugen wenig, um etwas gezielt zu trocknen. Zum Beispiel die Dusche. Wir haben so eine aus Glas und wenn man die nach dem Duschen nicht abtrocknet, wird sie in kürzester Zeit verkalkt aussehen.

Die Arbeit kann man sich leider nicht durch den Einsatz eines Luftentfeuchters sparen. Es dauert ewig, bis die Tropfen verdunstet sind, auch wenn das Gerät an ist.

Wesentlich effektiver ist es sowieso, ein Fenster weit auf zu machen. Das sieht man schon am beschlagenen Spiegel: Fenster ganz weit auf und innerhalb von 30 Sekunden ist der Spiegel frei. Wenn man das Gleiche mit dem QUIGG versucht, ist der Spiegel noch nach einer Stunde beschlagen... in Anberacht der kWh, die verbraucht werden, macht das nur bedingt Sinn.

Man merke: so ein Luftentfeuchter kann Sinn ergeben im Keller, wo vielleicht schlecht Lüften ist. Im Badezimmer oder anderen Wohnräumen macht gutes Lüften mehr Sinn.

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